Praxis für fachärztliche Psychotherapie, Sozialpsychiatrie und Psychohygiene 

Dr. Dr. med. Martin Peveling, M. A.


Gruppentherapie für Betroffene mit der Diagnose "Multiple Sklerose"


Was ist eigentlich "Multiple Sklerose"?

Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung, die zu einer chronischen Entzündung des zentralen Nervensystems führt. Dabei kommt es zu einem Untergang von Nervenzellen oder zu einer Entmarkung, die als Verlust / Schädigung der umhüllenden und isolierenden Schicht der Nervenbahnen verstanden werden kann.
 

Welche Symptome können bei Multipler Sklerose auftreten ?
Bei der MS können verschiedene Symptome auftreten, die durch den Entzündungsprozess an unterschiedlichen Stellen des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark) bedingt sind. In der frühen Krankheitsphase treten oft Störungen der Empfindung (Sensibilität) oder eine Entzündung des Sehnervs (Retrobulbärneuritis) auf.

Prinzipiell betroffen sein können:

  • Der Sehnerv. Es kommt zu einer Sehnerventzündung, die zu Schleiersehen (Blick wie durch Milchglas), verminderter Farbwahrnehmung, Schmerzen bei der Augenbewegung oder auch zur Erblindung führen kann.
  • Lähmungen der Arme und/oder Beine. Hierbei können Arm und Bein einer Körperseite (Hemiparese), beide Beine (Paraparese) oder alle vier Extremitäten (Tetraparese) betroffen sein.
  • Störungen der Empfindung. Auftreten von Taubheit, Pelzigkeit oder Kribbelgefühlen an einem Arm oder Bein, häufig auch mit fleckförmiger Verteilung, einer halben Körperseite oder auch gürtelförmig um den Rumpf. Verminderung des räumlichen Tastgefühls.
  • Störungen des Gleichgewichtes und/ oder der Koordination: Schwankender oder wackeliger Gang und/oder Stand, unkoordinierte, verwaschene Sprache, Danebenzeigen
  • Blasenstörungen: verstärkter Harndrang, Inkontinenz (Harn kann nicht oder nicht vollständig gehalten werden) oder Restharn (Harn kann nicht /nicht vollständig entleert werden).
  • Psyche: Emotionale Störungen in der Anfangsphase, Fatigue und Müdigkeit, Demenz in der Endphase


Welche Krankheitsverläufe kann man bei der Multiplen Sklerose unterscheiden?

Bei der Multiplen Sklerose treten häufig schubförmige neurologische Ausfälle auf, die sich innerhalb mehrerer Stunden bis weniger Tage entwickeln und dann meist innerhalb von ein bis drei Wochen, selten auch länger, vollständig oder unvollständig wieder abklingen. Es werden verschiedene Verlaufsformen unterschieden:

  • Schubförmig-remittierende Multiple Sklerose: Es treten wiederholt Krankheitsschübe mit akuten Symptomen auf, die dann vollständig innerhalb weniger Wochen wieder ausheilen. In den Intervallen zwischen den Schüben schreitet die Krankheit nicht fort. Im Verlauf der Erkrankung kommt es dann allerdings nahezu regelmäßig zu verbleibenden neurologischen Ausfällen. Dies ist der häufigste Verlaufstyp. Er tritt bei ca. 85% der Patienten auf.
  • Schubförmig-progrediente Multiple Sklerose: Von Beginn an schreitet die Krankheit kontinuierlich fort. Zusätzlich treten aber auch erkennbare Krankheitsschübe auf, die sich vollständig zurückbilden können.
  • Sekundär-progrediente Multiple Sklerose: Eine anfänglich schubförmige MS schreitet im weiteren Krankheitsverlauf kontinuierlich fort. Es können zusätzliche Schübe auftreten, die sich oft nicht mehr vollständig zurückbilden.
  • Primär progrediente Multiple Sklerose: Von Beginn an kommt es zu einem (langsamen) Fortschreiten der Symptome, ohne dass sichere Schübe erkennbar sind. Vorübergehend kann die Krankheit stillstehen. Möglich ist auch eine geringe Besserung einzelner Symptome.


    Abbildung 1: Verlaufsformen der Multiplen Sklerose (Quelle: A. Hufnagel)



Prognose der Multiplen Sklerose:
Bei 20 - 30% der Patienten kommt es zu einem relativ gutartigen Verlauf, so dass auch nach einer Krankheitsdauer von 15 Jahren nur geringe Beeinträchtigungen durch bleibende Symptome vorliegen. Krankheitsverläufe, die in wenigen Jahren zu einer Rollstuhlabhängigkeit führen, sind selten. Durch die verbesserten medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten verläuft die Erkrankung heutzutage sehr häufig milder als noch vor 3 Jahrzehnten. Dennoch gibt es bisher kein Medikament, das die Erkrankung vollständig zum Stillstand oder gar zum Ausheilen bringt.

Wer ist von Multipler Sklerose betroffen?
Die Erkrankung beginnt überwiegend zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Menschen vor dem 20. Lebensjahr sind nur zu ca. 7%, nach dem 50. Lebensjahr nur zu ca. 12% betroffen. Allerdings wird die MS immer häufiger bereits bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert. Weltweit sind ca. 2,5 Millionen Menschen von Multipler Sklerose betroffen. In Deutschland leben etwa 100.000 bis 120.000 Menschen mit dieser Erkrankung. Frauen sind 1,5 bis 2mal häufiger betroffen als Männer.

Wie entsteht eine Multiple Sklerose?
Man nimmt an, dass es zu einer Immunreaktion gegen körpereigene Eiweiße des Nervensystems auf den Nervenzellen und auf dem Stützgewebe des Nervensystems kommt, die im Verlauf zur Gewebeschädigung am Nervensystem führt. Dabei werden überwiegend die Markscheiden (Myelinscheiden / Umhüllungen) der Nervenfasern angegriffen und zerstört. Dies geht mit einer Entzündungsreaktion einher. Bei chronischen Krankheitsverläufen sind auch die Nervenzellen selber betroffen und es kommt zu einer diffusen Schädigung von Nervengewebe mit Beteiligung des gesamten Gehirns und/oder Rückenmarks. Körpereigene Reparatur-Mechanismen setzen ein, können aber den entstandenen Schaden nicht immer vollständig beheben.

Welche Ursachen gibt es für Multiple Sklerose?
Die Ursache der MS ist nicht bekannt. Statistisch wahrscheinlich ist eine genetische Veranlagung, bei deren Vorhandensein es unter bestimmten Umweltfaktoren und kulturellen Faktoren zum Ausbruch der Krankheit kommt. Auffallend ist, dass die Erkrankungshäufigkeit in einer Bevölkerung mit zunehmendem Breitengrad, also näher zu den Polen hin, zunimmt.

Wie Multiple Sklerose diagnostiziert werden?
Neben einer ausführlichen Erhebung der Krankengeschichte findet eine gründliche neurologische und psychiatrische Untersuchung statt. Danach sind die wichtigsten Untersuchungen eine Kernspintomographie des Schädels und des Rückenmarks und die Untersuchung des Nervenwassers, des Liquors. An Zusatzuntersuchungen werden die sogenannten evozierten Potentiale und ein EEG sowie eine Ultraschalluntersuchung der Hals- und Hirngefäße durchgeführt. Die evozierten Potentiale geben Aufschluss darüber, ob und in welchem Ausmaß Nervenbahnen für Sehen, Hören und Gleichgewicht, Empfindung (Sensibilität) und Motorik (Kraft) betroffen sind. Zusätzlich werden bestimmte Laborwerte überprüft. Eine  aktuelle Kernspintomographie des Kopfes und/oder der Wirbelsäule ist notwendig und kann, falls noch nicht vorhanden, in einer radiologischen Praxis von uns in Auftrag gegeben werden. Bei der Kernspintomographie beurteilt man, ob Entmarkungsherde in typischer Lokalisation und Konfiguration vorhanden sind und ob aktive Herde, die Kontrastmittel aufnehmen, vorhanden sind. Auch zur Therapiekontrolle werden wiederholte Untersuchungen der Kernspintomographie des Schädels und des Rückenmarks notwendig.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Multipler Sklerose?
Zur Behandlung einer Multiplen Sklerose stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Prinzipiell unterscheidet man zwischen einer Schubbehandlung und einer vorbeugenden (prophylaktischen) Behandlung. Die Behandlung eines akuten Krankheitsschubes erfolgt in der Regel mit einer Kortisonstoßtherapie über wenige Tage. Sie sollte so früh wie möglich bei jedem neu aufgetretenen Schub durchgeführt werden.

Welches Medikament oder welche Medikamentenkombination für die vorbeugende (prophylaktische) Behandlung in Frage kommt, hängt  u.a. von der Schwere und Ausprägung der Multiplen Sklerose, den Begleiterkrankungen und den bisher eingenommenen Medikamenten ab. Eine Übersicht und Beratung über die vielfältigen mittlerweile zur Behandlung der Multiplen Sklerose zur Verfügung stehenden Medikamente erhalten Sie von Ihrem behandelnden Neurologen.

Physiotherapie und Exercise-Therapie
Weitere wichtige Bestandteile der Therapie sind Physiotherapie (Krankengymnastik) und die Bewegungstherapie (Exercise-Therapie). Nach neuesten Erkenntnissen kann man hierdurch die Schubrate absenken.

Gruppentherapie

Es ist keine leichte Aufgabe, mit der Diagnose "Multiple Sklerose" klarzukommen. Umso hilfreicher kann es sein, andere Betroffene kennenzulernen, die in der gleichen Situation sind und sich ähnlichen Herausforderungen stellen müssen. Der Austausch von Erfahrungen und Informationen in einer therapeutisch geleiteten Gruppe kann bei der Bewältigung der (seelischen) Folgen dieser Erkrankung sehr hilfreich sein. 

Es ist daher vorgesehen, ab 2020 eine therapeutisch geleitete Gruppe für MS-Patienten anzubieten. Sie soll Dienstags in der Zeit von 17 - 19 Uhr stattfinden (14tägig). Hierzu müssen die Teilnehmer noch zusammengestellt werden, was zu Beginn über Einzelgespräche erfolgt und Zeit erfordert. Von daher ist derzeit noch Geduld angesagt, aber es soll inhaltlich auch keine "Akut-Gruppe" gebildet werden, sondern eine Gruppe mit 6 bis maximal 9 Betroffenen, deren Teilnehmer sich über einen längeren Zeitraum mit den seelischen Beeinträchtigungen und den Folgen ihrer Erkrankung unter therapeutischer Begleitung auseinandersetzen können.

Diese Gruppe ist als "halboffene" Gruppe konzipiert, was beinhaltet, dass ausscheidende Mitglieder durch neue Gruppenteilnehmer ersetzt werden. Die Verschwiegenheit über die anderen Teilnehmer der Gruppe und die Inhalte aus den Gruppensitzungen wird vorausgesetzt. Um entscheiden zu können, ob eine Gruppenpsychotherapie-Behandlung auch für Sie infrage kommen könnte, ist zunächst ein Erstgespräch notwendig. Es können auch noch weitere Vorgespräche erforderlich sein, um diese Frage beiderseits zu klären.

Sollte hier Interesse bestehen, möchte ich Sie bitten, sich über das Kontaktformular anzumelden. Bitte beachten Sie, dass die Praxisräume ein Stockwerk tiefer liegen (Treppe, kein Aufzug).